31
Mrz
16

Mißbrauch

Da schlage ich die Kirchenzeitung auf und stutze: „Köln – wenn das Gesetz Leerräume läßt“
Da interviewt eine Mme Humbert eine andere Mme Humbert (Nachtigall), die offenbar „militante“, also aktives Mitglied, von „Terre des Femmes“ ist.
Und diese Dame beklagt sich bitter, daß über die Übergriffe der Silvesternacht so zurückhaltend berichtet worden wäre, und daß ma sich ohnehin wunderte, warum davon geredet würde, das käme bei allen Alkoholexzesse-Festen doch dauernd vor: Karneval, „fête de la bière“ (ob das Oktoberfest gemeint ist?). Aber das Gesetz sei ja so schwach, weil es kein Delikt des sexuellen Übergriffs gebe. Und überhaupt, man müsse das Strafgesetzbuch umkrempeln, damit nicht mehr die Opfer beweisen müßten, daß sie Opfer seien.

Damit kämen wir also zurück auf die Stufe der Hexenprozesse. Menschen würden auf pures Hörensagen hin verurteilt – das geschieht auf dem Gebiet der sexuellen Übergriffe ohnehin oft genug, denn Zeugen gibt es ja dafür meist nicht – und müßten ihre Unschuld beweisen. Eine feine Förderung aus dem Stiefmutterland der Menschenrechte!

Und Mme Humbert ist noch nicht fertig: diese unerträgliche Rechtslage sei kein Wunder in einem Land, in dem seit 2002 Prostitution und Zuhälterei als ehrbare Gewerbe gelten, ihre Werbung an Bussen, auf Plakatwänden und im Radio verbreiteten und die Kosten auch noch von der Steuer absetzen könnten.
„Das Gesetz von 2002“ (wohl das ProstG) müsse dringend reformiert werden.

Ähem. Das ist doch das Gesetz, das Prostituierte gegen Zuhälter und Freier in Schutz nehmen soll und ihnen gleichzeitig Zugang zur Sozialversicherung verschafft? Das hat aber doch die §§180a und 181a StGB nicht abgeschafft?
Und überhaupt: es wurde auf Drängen feministischer Verbände und der UN-Kommission gegen die Benachteiligung der Frau erlassen – zugegebenermaßen gegen den Widerstand einiger Politiker, einiger feministischer Verbände und auch einzelner Strömungen in den Kirchen.

Terre des Femmes mag eine gesellschaftspolitische Kampagne führen. Das ist ihr gutes Recht. Aber dazu die Übergriffe in Köln zu instrumentalisieren ist zumindest schlechter Stil – ich nenne es Mißbrauch dessen, was die Frauen erlitten haben. Die Abschaffung rechtsstaatlicher Grundprinzipien zu fordern stellt sie außerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wenn das nicht zur Disqualifikation reicht, dann das: im fremdsprachigen Ausland mit Lügengebilden Stimmungsmache zu betreiben.
Dazu läßt dieser ganzseitige Artikel so einen herben Geschmack von „an unserem Wesen soll die Welt genesen“. Das können die Franzosen nämlich auch ganz gut, und sind da auch von keiner Selbstkritik getrübt (das Wort ist im Französischen quasi inexistent). Und wer als Franzose sich über Radio-, Plakat- und Buswerbung für Prostitution und Bordelle aufregt (äh… ich hab davon weder gesehen noch gehört; vielleicht höre ich aber auch die falschen Sender), sollte vielleicht auch mal den Mund aufmachen gegen die riesigen Plakate, die einem an fast jeder Ein- und Ausfallstraße Erotikmessen anpreisen, Partnertausch- und Untreuevermittler, und was nachts an Werbung über die 25 frei empfänglichen Fernsehsender läuft – „666 Ruf mich an“ ist echt harmlos dagegen… Und die Ausgaben dafür werden garantiert als Betriebsausgaben geltend gemacht… Wer da schweigt und aufs Ausland zeigt, ist bigott. Das Wort gibt es auch im Französischen, Jacques Brel hat so ein Lied betitelt.

Ach ja: was sagt der Feminismus eigentlich zu Vereinen, denen Frauen der Beitritt verboten ist? (Fällt das nicht in den Geltungsbereich des Diskriminierungsverbots?)
Terre des Femmes nimmt satzungsgemäß keine Männer auf. Sexismus im Stil des 19. Jahrhunderts… nur durch umgekehrte Vorzeichen wird der auch nicht besser.

13
Feb
16

Nah, noch näher…

Nein, es geht nicht um Terror. Reicht schon, daß die französische Regierung sich den Ausnahmezustand hat verlängern lassen (jusqu’aux calendes grecques, wie die Gebildeten sagen, wird das dauern, denn Manuel Valls hat verlauten lassen, der Ausnahmezustand würde beibehalten, bis Da’Esch besiegt ist. Bis dahin wird eine ganze Generation nichts anderes als den Ausnahmezustand kennengelernt haben – die USA machen es ja vor.), aber darum geht es nicht.
Vergangenen Montag meldeten die Zeitungen, mit welch krimineller Energie die SNCF versucht hatte, Dokumente verschwinden zu lassen zu der verheerenden Entgleisung 2013. Mir lag ein vernichtendes Wortspiel auf der Zunge: les Salauds Nous Cachent des Faits (die Drecksäcke verbergen die Fakten vor uns), da wurde sie Dienstag früh ziemlich ungenießbar.
Mein Mitgefühl gilt allen Verletzten, Angehörigen, Helfern und Ermittlern. Denen, die aufräumen. Und falls – was mir ziemlich wahrscheinlich erscheint – der Unfall auf den Bockmist eines Menschen zurückzuführen ist: auch dem gilt mein Mitgefühl.
Am selben Tag erfuhren wir: im Grenzgebiet zur Schweiz, im Uhrenland, war ein Schulbus auf vereister Straße umgestürzt, mit katastrophalen Folgen. Der junge Fahrer, erst seit November dort beschäftigt, stammt aus Marseille. Woher sollte der wissen, wie man auf Eis fährt?
Am Donnerstag musste ich nach La Rochelle. Dichter Regen bis Rochefort, dann lichtete es sich etwas. Dicht war auch der Verkehr. Auf der Gegenfahrbahn immer wieder Zivilfahrzeuge mit Blaulicht. Krawattenträger am Steuer.
In La Rochelle wurden wir empfangen: „wie seid ihr durchgekommen? In Rochefort hat es einen Unfall gegeben mit einem Schulbus und einem Kieslaster, mehrere Tote.“
Im Lauf des Tages erfuhren wir dann mehr: der Bus kam von Oléron und sollte Schüler zur Berufsfachschule nach Surgères bringen. Im Hafengebiet war ihm der Laster entgegengekommen, und weil die Bordwand der Ladefläche nicht geschlossen war, sondern waagrecht Abstand, kollidierte sie mit dem Bus und riß ihn unter der Fensterlinie von vorn bis hinten auf. Sechs Jugendliche starben.
Während das Land rätselte, wie so etwas geschehen kann, meldete sich ein Zeuge: er war dem LKW kurz vorher begegnet und hatte der Bordwand noch gerade eben ausweichen können.
Oléron gehört zu unserem Gemeindeverband. Rochefort ist quasi direkt nebenan. Wenn hier deutsche Verhältnisse herrschten, wären wir ebenso wie die Kollegen aus Rosenheim und Umgebung an den Unglücksort gerufen worden, um Angehörige, aber auch Retter aufzufangen. Einen Ruhepol zu bieten, ein offenes Ohr, das nicht zum „Apparat“ gehört. Ob die „cellules psychologiques“, die hier statt dessen angeboten werden, das auch können? Ich hoffe es…

12
Dez
15

Nicht deine Sache

Der Predigttext zum 3. Advent in Reihe 2 steht bei Paulus. 1. Kor.4,1-5.
Nun ist es mir schon zum zweiten Mal so gegangen, daß ich am Ende der Reihe 1 (Evangelium) wirklich mich auf Reihe 2 (Epistel) gefreut habe. Endlich nicht Neues zu ganz furchtbar bekannten Texten sagen müssen. Und dann kommen die Episteltexte der Adventszeit. Wumm.
Der 3. Advent ist der Festtag der Straßenbauer. Bereitet dem Herrn den Weg. Sagt der Prophet Jesaja zu einem Volk, das eigentlich alles hinschmeißen will, weil alles in die Brüche gegangen ist. Es wird weitergehen, obwohl jetzt alles sinnlos scheint.
So führt die Evangelien-Lesung uns Johannes den Täufer vor, der sich fragt: bist du es, auf den wir warten, oder hab ich aufs falsche Pferd gesetzt?
Und dann Paulus.
Paulus strahlt Zuversicht aus. In Korinth geht es drunter und drüber, seine Autorität steht in Frage und damit auch der rechte Glaube – aber Paulus bleibt eisern: ich habe nicht für mich gearbeitet, sondern für Christus. Und deshalb ist für mich auch nur wichtig, was Christus davon hält, was ich tu. Ob ihr das gut findet oder nicht – klar ist es für mich schöner, wenn ihr euch an das Evangelium haltet, das ich euch gepredigt habe. Ihr liegt mir schließlich am Herzen. Aber der Wert meiner Arbeit hängt nicht daran, was ihr davon haltet. Ja, sogar meine eigene Meinung über meine Arbeit ist völlig unerheblich. Wichtig ist einzig und allein, was Christus davon hält.
Das ist natürlich einerseits eine blöde Situation, weil wir nicht mal eben ein Gespräch anberaumen können, um zu hören, was der Boss denkt. Andererseits aber auch eine unerhörte Freiheit. Mit Menschen arbeiten geht nicht ohne Konflikte. Manchmal muß man unpopuläre Botschaften vertreten; manches wird von einigen befürwortet und von anderen vehement abgelehnt. Und da geht es ganz schnell von der Kritik an Wort und Tat über in Kritik an der Person – und das artet bekanntlich gern in Mobbing aus. Willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich dir den Schädel ein. Auch bei Kirchens. Vielleicht gern etwas subtiler, weil gleichzeitig noch ein Schleier von „wir haben uns alle lieb und sind ganz nett zueinander“ drübergebreitet wird, aber dafür eben auch besonders perfide. Mit Nachrede und doppelten Zungen. Gern auch seitens der Hierarchie.
Bockmist, sagt Paulus. Sowas ist lästig, aber ficht mich nicht an. Ob von meinen Konfirmierten einer oder siebzehn im Herbst noch zur Kirche gehen, hängt eh nicht an mir. Ich arbeite nicht ergebnisorientiert und ich hab keinen Wohlfühlauftrag. Ich bin der Wahrheit Christi verpflichtet. Und sonst niemandem.
Also: ob ihr mich gut findet oder nicht, geht mir am Allerwertesten vorbei. Ob ihr euch nach Paulus oder Apollos oder Luther oder Calvin oder dem Papst oder sonstwem ausrichtet, müßt ihr mit euch ausmachen und mit Christus, aber mir ist es völlig schnuppe. Wenn ihr glaubt, ihr müßt dem Zeitgeist nachrennen – eure Sache. Erwartet nur nicht, daß ich euch gegen mein Gewissen zurede. Und glaubt vor allem nicht, ihr könntet mir vorschreiben, was ich zu predigen habe.

In dem, was er predigt – predigen muß, ob er will oder nicht (wer zittert nicht, wenn der Löwe brüllt; wer wird nicht zum Propheten, wenn Gott ihn ruft?) – ist Paulus dann wieder Kamerad des Täufers und Jesajas. Er verkündet das Geheimnis jenes Gottes, der in der Schwäche stark ist und buchhalterische Verdienste durch Liebe ersetzt. Nicht Verdienst, sondern Bedarf, ja Bedürftigkeit ist sein Maßstab, und deshalb geht dieser Gott nicht zu denen, die einen ihnen genehmen Gott in der Tasche haben und auch sonst keinen Mangel verspüren, sondern zu denen, die Trost brauchen, Aufmunterung, eine Auszeit – oder auch einfach nur mal wieder eine Dusche und eine warme Mahlzeit.

12
Dez
15

Heiler

Persönlichkeitstests mit wenigen Fragen sind mir ja ein wenig suspekt.
Aber hier trifft es ins Schwarze: ich bin INFP.
Auch wenn das nicht jeder versteht. So bin ich.

02
Dez
15

Katze

Papa: “ Katze, du riechst nach Katzenpups. Hast du dir den Popo nicht richtig abgeputzt?“
Goldlocke: „Wie putzen sich denn Katzen den Popo ab?“
Papa: „Das willst du so genau nicht wissen.“ (honni soit qui pense à De Maizière…)
Serena: „Der nimmt ein Feuchttuch.“

Ähem. Ja. So ungefähr.

02
Dez
15

Hat man nicht mit…

Ach, wenn’s doch nur um Caffee ginge…

28
Nov
15

Warten

… Auf die Mail, die mir vielleicht nie geschickt wurde…




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