12
Dez
15

Nicht deine Sache

Der Predigttext zum 3. Advent in Reihe 2 steht bei Paulus. 1. Kor.4,1-5.
Nun ist es mir schon zum zweiten Mal so gegangen, daß ich am Ende der Reihe 1 (Evangelium) wirklich mich auf Reihe 2 (Epistel) gefreut habe. Endlich nicht Neues zu ganz furchtbar bekannten Texten sagen müssen. Und dann kommen die Episteltexte der Adventszeit. Wumm.
Der 3. Advent ist der Festtag der Straßenbauer. Bereitet dem Herrn den Weg. Sagt der Prophet Jesaja zu einem Volk, das eigentlich alles hinschmeißen will, weil alles in die Brüche gegangen ist. Es wird weitergehen, obwohl jetzt alles sinnlos scheint.
So führt die Evangelien-Lesung uns Johannes den Täufer vor, der sich fragt: bist du es, auf den wir warten, oder hab ich aufs falsche Pferd gesetzt?
Und dann Paulus.
Paulus strahlt Zuversicht aus. In Korinth geht es drunter und drüber, seine Autorität steht in Frage und damit auch der rechte Glaube – aber Paulus bleibt eisern: ich habe nicht für mich gearbeitet, sondern für Christus. Und deshalb ist für mich auch nur wichtig, was Christus davon hält, was ich tu. Ob ihr das gut findet oder nicht – klar ist es für mich schöner, wenn ihr euch an das Evangelium haltet, das ich euch gepredigt habe. Ihr liegt mir schließlich am Herzen. Aber der Wert meiner Arbeit hängt nicht daran, was ihr davon haltet. Ja, sogar meine eigene Meinung über meine Arbeit ist völlig unerheblich. Wichtig ist einzig und allein, was Christus davon hält.
Das ist natürlich einerseits eine blöde Situation, weil wir nicht mal eben ein Gespräch anberaumen können, um zu hören, was der Boss denkt. Andererseits aber auch eine unerhörte Freiheit. Mit Menschen arbeiten geht nicht ohne Konflikte. Manchmal muß man unpopuläre Botschaften vertreten; manches wird von einigen befürwortet und von anderen vehement abgelehnt. Und da geht es ganz schnell von der Kritik an Wort und Tat über in Kritik an der Person – und das artet bekanntlich gern in Mobbing aus. Willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich dir den Schädel ein. Auch bei Kirchens. Vielleicht gern etwas subtiler, weil gleichzeitig noch ein Schleier von “wir haben uns alle lieb und sind ganz nett zueinander” drübergebreitet wird, aber dafür eben auch besonders perfide. Mit Nachrede und doppelten Zungen. Gern auch seitens der Hierarchie.
Bockmist, sagt Paulus. Sowas ist lästig, aber ficht mich nicht an. Ob von meinen Konfirmierten einer oder siebzehn im Herbst noch zur Kirche gehen, hängt eh nicht an mir. Ich arbeite nicht ergebnisorientiert und ich hab keinen Wohlfühlauftrag. Ich bin der Wahrheit Christi verpflichtet. Und sonst niemandem.
Also: ob ihr mich gut findet oder nicht, geht mir am Allerwertesten vorbei. Ob ihr euch nach Paulus oder Apollos oder Luther oder Calvin oder dem Papst oder sonstwem ausrichtet, müßt ihr mit euch ausmachen und mit Christus, aber mir ist es völlig schnuppe. Wenn ihr glaubt, ihr müßt dem Zeitgeist nachrennen – eure Sache. Erwartet nur nicht, daß ich euch gegen mein Gewissen zurede. Und glaubt vor allem nicht, ihr könntet mir vorschreiben, was ich zu predigen habe.

In dem, was er predigt – predigen muß, ob er will oder nicht (wer zittert nicht, wenn der Löwe brüllt; wer wird nicht zum Propheten, wenn Gott ihn ruft?) – ist Paulus dann wieder Kamerad des Täufers und Jesajas. Er verkündet das Geheimnis jenes Gottes, der in der Schwäche stark ist und buchhalterische Verdienste durch Liebe ersetzt. Nicht Verdienst, sondern Bedarf, ja Bedürftigkeit ist sein Maßstab, und deshalb geht dieser Gott nicht zu denen, die einen ihnen genehmen Gott in der Tasche haben und auch sonst keinen Mangel verspüren, sondern zu denen, die Trost brauchen, Aufmunterung, eine Auszeit – oder auch einfach nur mal wieder eine Dusche und eine warme Mahlzeit.

12
Dez
15

Heiler

Persönlichkeitstests mit wenigen Fragen sind mir ja ein wenig suspekt.
Aber hier trifft es ins Schwarze: ich bin INFP.
Auch wenn das nicht jeder versteht. So bin ich.

02
Dez
15

Katze

Papa: ” Katze, du riechst nach Katzenpups. Hast du dir den Popo nicht richtig abgeputzt?”
Goldlocke: “Wie putzen sich denn Katzen den Popo ab?”
Papa: “Das willst du so genau nicht wissen.” (honni soit qui pense à De Maizière…)
Serena: “Der nimmt ein Feuchttuch.”

Ähem. Ja. So ungefähr.

02
Dez
15

Hat man nicht mit…

Ach, wenn’s doch nur um Caffee ginge…

28
Nov
15

Warten

… Auf die Mail, die mir vielleicht nie geschickt wurde…

18
Nov
15

Aufruf

Liebe Freunde!
Die Nachrichten der Nacht des 13 November haben uns zutiefst schockiert, betrübt und aufgewühlt.
Viele von uns haben Freunde und Familie in Paris. Einige ganz in der Nähe der Attentate. Paris ist vor unseren Türen.
Über die Schweigeminuten hinaus fehlen uns die Worte angesichts der tödlichen Gewalt, die so kalt vorbereitet, inszeniert und umgesetzt wurde. Die Menschenleben zu Figuren eines tödlichen Spiels macht.

Aber schon läuft eine Maschinerie an, um auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren, auf Morde durch Exekutionen und, wie wir u.a. aus Pontivy erfahren, durch Lynchaktionen, die die Polizei in letzter Sekunde unterbrechen konnte. Um auf die Verhöhnung unserer Werte, Rechts- und Freiheitsprinzipien zu reagieren, werden eben diese grundlegenden Rechte und Freiheiten aufgehoben.
Dazu kann ich nicht schweigen: indem wir so handeln, erfüllen wir selbst das von den Terroristen erstrebte Ziel: wir selbst zerstören unsere Werte, unsere Freiheit, die unsere Väter, oft unter Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit, erstritten und verteidigt haben. Und so machen wir uns zu Komplizen und Mittätern der Mörder!
Aber, liebe Freunde, wenn wir zusammenstehen, vereint um unsere gemeinsamen Werte, sind wir stärker als der Terror. Darum rufe ich euch mit allem Nachdruck auf: verweigert euch dem bösen Spiel der Terroristen!
Das fängt bei den Worten an: Es gibt keinen “Islamischen Staat”! Da’esh ist kein Staat, sondern eine Terroristenbande, deren einzige Legitimierung ihr Machthunger und ihr Blutdurst ist. Und Da’esh ist nicht islamischer als du und ich. Im Gegenteil: Da’esh nimmt die Moslems als Geiseln, nimmt als Geiseln all jene islamischen Gläubigen, die die du und ich nichts wollen als ihr Leben und ihren Glauben in Frieden leben.
Die Terroristen willen Angst, Panik und Haß säen. Lassen wir nicht zu, daß diese Saat aufgeht!
Beantworten wir das Böse nicht mit Bösem, nicht Gewalt durch Gewalt, Has nicht durch Haß! Im Gegenteil, leben und bekräftigen wir unsere Stärke, indem wir das Gute tun und unterstützen: die Achtung gegen jeden Menschen ungeachtet seiner Herkunft, seiner Sprache, seines Glaubens. Gegen den Haß laßt uns das Willkommen setzen, gegen die Gewalt das Leben, gegen die Angst die Offenheit. Wie die Pariser Bürger, die mutig den Passanten ihre Türen geöffnet haben.
Wenn wir die Opfer ehren wollen, dann indem wir uns weigern, die Mauern zu bauen, mit denen die Terroristen uns trennen wollen, die Kerker aus Angst und Mißgunst, in die sie uns einsperren wollen.
Wenn wir die Opfer ehren wollen, dann indem wir das fortführen, worin sie unterbrochen wurden: indem wir das Leben leben, Freude leben und Freiheit.

15
Nov
15

…direkt gegenüber…

Unsere Synode tagt in Angers. Die alte Hauptstadt des Anjou ist weit genug von Paris; hier geht das Leben weiter. Aber jeder sechste Franzose wohnt im Großraum Paris, und so gibt es kaum jemand, der nicht Verwandte oder Freunde dort hat.
Gestern abend am Tisch hörte ich:
“Mein Sohn wohnt direkt gegenüber. Ich habe Stunden gewartet, bis er sich meldete. Er war zuhause, er ist gesund. Und die Freundin des anderen Sohns war einen Kaffee trinken mit einer Kollegin, als sie plötzlich von Polizisten in einen Hausgang geschoben wurden: ‘Keinen Mucks!’ Erst Stunden später konnten sie wieder raus. Und das Handy lag die ganze Zeit im Büro.”
Paris ist auf einmal ganz nah…




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