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Dez
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Kirche und Kinder – ein weites Feld?

Als mein – mittlerweile sehr groß gewordener – Sohn noch ein ganz kleines Kind war, knapp unter einem Jahr, waren wir mal ausnahmsweise in der Heimatkirchengemeinde zum Gottesdienst. (Ausnahmsweise, weil ich sonst in einer anderen Gemeinde Organist war.) Und eine ältere Frau, Frau eines Unternehmers und früheren Kirchmeisters, echauffierte sich, weil unser Sohn ganz leise mit seinem Teddy geredet hatte. Wir saßen ziemlich hinten, sie hatte sich hinter uns gesetzt – warum setzt sie sich nicht weiter vor, wenn sie schlecht hört?
“Als meine Kinder klein waren, und ich habe vier Söhne großgezogen, da bin ich sonntags mit den Kindern zuhause geblieben, und mein Mann hat mir den Gottesdienst erzählt.” Aha… Was hat der Pfarrer denn gepredigt? – Von der Sünde hat er gesprochen. – Und, was hat er gesagt? – Er ist dagegen.
Tja, und Jesus hat in einer vergleichbaren Situation seine Jünger zusammengefaltet, die gemeint haben, man dürfe die Großen nicht mit Kindergeschrei stören, wenn Jesus predigt. Nix da, hat Jesus gesagt, Kinder haben Vorrang.
Der PFarrer sah es anders…

Mein Sohn jedenfalls hat jahrelang die Kirche verweigert, hat demonstrativ die Ohren zugehalten, weder Singen noch Reden wollte er hören. Ich bin dem Herrgott dankbar, daß das nicht vorgehalten hat!

Das goldlockige Mädchen besteht ja drauf, mit zum Gottesdienst zu gehen. Am Heiligen Abend war es fast ein Drama, daß der Gottesdienst erst anfing, als sie schon fast ins Bett mußte… sie setzt sich dann an den kleinen Tisch und malt. Aber das ist kein Maßstab für andere Kinder, die sich dort nicht so auskennen und zuhause fühlen!

Am 1. Feiertag war eine Familie mit zwei Jungen im Gottesdienst, der ältere im Grundschulalter und der jüngere so alt wie das goldlockige Mädchen: zweieinhalb. Und der Kleine hatte ein Auto mitgebracht. An sich kein Problem – aber das Auto hatte einen Schwungradmotor, und er ließ es immer über die Kirchenbank fahren. Als ich auf die Kanzel stieg, bekam ich vage mit, daß ein paar Ältere offenbar davon gestört waren, und habe den Jungen gefragt, ob er das Auto für einen Moment parken könne, weil der Motor ein bißchen sehr laut wäre. (Ich wollte nicht vorschlagen, ob er auf dem Fußboden spielen könne, das ist nicht unterkellerter Terrakottafliesenboden und entsprechend kalt – wenigstens wäre da der Resonanzboden der Kirchenbank weggefallen. Und an den Teppich vorn neben dem Weihnachtsbaum habe ich in dem Moment nicht gedacht, der war außerhalb meines Blickfelds.)
Nach ein paar Minuten ging der Papa mit dem Jungen raus…

Ich bin der Meinung, Kinder gehören in die Kirche. Wenn wir ihnen erzählen, sie dürften nur zu Weihnachten und Ostern und dann nach der Konfirmation – dann erzählen sie uns mit 15, jetzt wollen sie auch nicht mehr. Und das ist verständlich. Man kann auch nicht immer sagen, “wir wollen mehr Kinder und junge Leute in der Kirche haben”, und dann erwarten, daß sie sich wie alte Leute verhalten. Wobei… wobei diejenigen, die sich über Kinder aufregen, die Lärm machen, oft genug dieselben sind, die noch bis zum Schlußakkord des Orgelvorspiels den Schnatterschnabel nicht halten können. Mit welcherlei Maß ihr meßt…
Außerdem kommt heute keiner mehr zur Kirche, “weil man das so tut” oder weil seine Eltern und Großeltern das auch taten. Das ist vielleicht noch der Grund für eine Taufe oder eine kirchliche Trauung, aber – nicht für den Alltag und den ganz normalen Sonntag. Wir leben in einer Gesellschaft, wo man die Wahl hat. Und das ist auch gut so – aber eine Herausforderung für die Christenheit. Der Traum der Volkskirche ist ausgeträumt. GOtt sei’s gedankt, möchte ich sagen. Denn solange der Laden einfach lief, haben sich die Christen kaum Gedanken gemacht, wie sie das Evangelium weitergeben. Das ist Sache des Pfarrers auf der Kanzel. Nur ist um die Kanzel gähnende Leere.
Mit ein wenig Lokalkolorit möchte ich einen Vergleich wagen.
Das hier ist ein “Carrelet”, eine Fischerbude, wie man sie hier in der Gegend häufig findet:
Carrelet
(Photo von Pep.per, “Carrelet de l’île Madame – Charente-Maritime – Photo issue de ma banque d’images : http://www.imagesdile.com”; unter CC-BY-SA-1.0.)

Das Netz wird ins Wasser gelassen und wieder hochgezogen, und was sich im Netz findet, ist der Fang.
So funktioniert die Volkskirche: wer nah genug rankommt, kann ins Netz gehen.
Aber rund um unser Netz ist alles abgefischt, da kommen nur mehr wenige Fische ins Netz! Jetzt muß man also ins Boot steigen, sich aufs balkenlose Wasser begeben und dort fischen. Und das heißt umdenken.

Das heißt, daß unser kirchliches Leben nicht einfach so bleiben kann, und die jüngeren LEute werden sich schon hineinfinden. Das heißt, daß keiner Schlange steht, um endlich hineinzudürfen. Das heißt, daß wir, wie es schon immer gewesen ist, die Formen an die Menschen anpassen müssen. Zum Glück predigen Pfarrer heute nicht mehr wie vor 50 Jahren. Aber oft genug predigen wir für alte Leute. Wir sprechen eine Sprache, die nur Eingeweihte verstehen. Und wir sprechen gesprochenes Wort ohne optische Reize, in einer Welt, die viel mehr auf Sehen als auf Hören konditioniert ist. Ich habe noch keine Lösung, wie das Wort sichtbar werden kann, aber da liegt ein Problem.
Und dann gehen wir noch hin und vergraulen die, die tatsächlich mal freiwillig da sind?


26 Responses to “Kirche und Kinder – ein weites Feld?”


  1. 28. Dezember 2012 um 21:42

    Sehr schön. Und meine volle Zustimmung. Ich war mal in einer Kirche, wo alle Leute mit kleinen Kindern ras mussten! Ich war so was von empört. Deswegen hat es mir Weihnachten dieses Jahr so gut gefallen. Obwohl ich, wie gesagt, unseren gestrengen Pfarrer mag. Da dürfen zwar auch alle Kinder kreuz und quer in der Gegend rum plärren, trauen sie sich aber kaum, wenn der erst mal von der Kanzel runter wettert. In der von mir beschriebenen in Schleußig dagegen herrschte eine heitere Stimmung. Obwohl, wie gesagt, ich mag unseren Pfarrer auch und gerade, weil es so streng daher kommt

  2. 28. Dezember 2012 um 21:46

    Ja. Das ist ein schwieriges Spagat, Alte und Traditionalisten sollen nicht vergrault werden, Junge müssen begeistert und gewonnen werden. Und alle sprechen verschiedene Sprachen, Kinder sowieso.
    Dankbar bin ich da über unseren Kindergottesdienst, der Enormes leistet. Unsere Tochter geht jedenfalls gerne hin, und sie will ImMER mit zum Gottesdienst. Sicher auch deswegen. 15 Minuten einer Predigt lauschen kann man einem Kind wirklich nicht abverlangen.

  3. 28. Dezember 2012 um 22:00

    Da machst Du aber viele Baustellen auf …

    Bei einem Punkt bin ich allerdings besonders hängen geblieben – bei der Sprache, die “nur Eingeweihte” verstehen. Ich denke, ab einem gewissen Punkt ist uns diese Sprache so innerlich, daß alles andere nicht mehr authentisch wäre.

    Man kann aber auch fragen, wie weit man das “Niveau” eigentlich senken sollte. Wenn Zeitgenossen mit dem Bild vom guten Hirten und dem 22. Psalm schon überfordert sind, weil gute Hirten im Fernsehprogramm kaum eine Rolle spielen und Lesen als interpretatorische Leistung bereits eine Herausforderung darstellt, dann hilft auch keine “Bibel in heutigem Deutsch” mehr weiter. Gewiß, das mag zugespitzt formuliert sein, aber ich denke, da ist was dran.

    Aus meinem katholischen Bezugsrahmen heraus betrachtet bin ich beispielswegen ein scharfer Gegner, die Liturgie den heutigen Menschen anzupassen. Allerdings bin ich ebenso stark dafür, daß jedwede pastorale Anstrengung unternommen werden muß, um die Menschen zum liturgischen Vollzug zu führen – und hier wird viel zu wenig getan. Lieber feiert man Tralala-Messen, um die Leute “da abzuholen, wo sie stehen” (was in der Regel aber bedeutet, daß man sie eben nicht holt und in Bewegung setzt, sondern sie einfach weiter da stehen läßt, wo sie stehen, und sich dazustellt).

    Die Sprache der Verkündigung – um zum eingangs geäußerten Gedanken zurückzukehren – steht und fällt meines Ermessens mit der Authentizität dessen, der spricht. Und solche Authentizität wird hoffentlich immer anziehend bleiben: Glaubst du, was du da sprichst, tust, betest …!?!

    Und in einem nächsten Schritt wird die Aufgabe darin bestehen, das, was man selbst glaubt, tut und betet denen zu erläutern, die fragend an der Schwelle stehen.

    • 29. Dezember 2012 um 00:02

      Bei der Sprache bin ich anderer Meinung. Wenn wir in unserer Code-Sprache verharren, können wir nicht mehr mit anderen reden, sind letztlich dann nicht mehr missionarisch. Sollen wir aber nicht, wie Philippus Ac8, gerade anderen helfen, das zu verstehen, was sie lesen? Es ist immer ein Spagat, aber ich weiß nun mal aus Erfahrung: auch wenn man manches in einer Sprache sagen kann und in einer anderen nicht oder nur schwer (das Französische kennt beispielsweise kein Wort für “Heimat”!), so ist doch das allermeiste eben nicht an eine Sprache gebunden. Und im Gegensatz zum Islam hängen wir eben nicht am Wortlaut (Paulus würde “Buchstabe” sagen), sondern am Sinn (Paulus spräche vom “Geist”).
      Der 22. Psalm – nach LXX/Vulgata, denn nach hebr. ist es der 23. – und das Hirtenbild, nun ja. In manchen Sprachen und Kulturen gibt es andere Bruchstellen, und die Bibelübersetzer und Missionare haben ihre liebe Not, den Sinn zu vermitteln, weil beispielsweise Brot und Wein auch nicht das Grundnahrungsmittel sind wie im poströmischen Kulturraum.
      Die Schwierigkeit, die du aufzeigst, ist die, daß “abholen” eben nicht bedeutet, sich dorthin zu setzen, wo sie sich gerade befinden, sondern sie bei der Hand zu nehmen und mit ihnen auf den Weg zu gehen. Aber eben auch mit ihnen zu gehen. Und vielleicht auch auf Umwegen. Jesus hat Kleopas und seinen Kameraden nicht einfach auf dem Weg alleingelassen, aber auch nicht ihnen nachgerufen, “hört mal, ihr seid auf dem Holzweg; ich lebe, warum glaubt ihr Dummköpfe das nicht?” Er ist mit ihnen gegangen, hat ihre Situation geteilt und dann mit ihnen das Brot gebrochen. Liturgie ist kein Selbstzweck, sie ist Dienst an Gott und Dienst am Nächsten.
      Das gesamte biblische Zeugnis des Redens Gottes ist davon durchzogen, daß Gott immer die Sprache der Menschen spricht, in ihre Vorstellungswelt hinein – was uns, zwei bis drei Jahrtausende später, manchmal vor Schwierigkeiten stellt, weil unsere Vorstellungswelt eine andere ist. Aber das legt mir auch die Aufgabe auf, von Gott (her) so zu sprechen, daß die Menschen es verstehen können. Es kann nicht auf “Jesus liebt dich” reduziert werden, aber da ist doch schon mal ein Anfang – denn bei Mose und den Propheten anzufangen, ist heute nicht mehr der richtige Ansatzpunkt für die meisten Mitmenschen.
      Mein Prinzip, das im liturgischen Handeln natürlich wegen der fehlenden Zwischenfragemöglichkeit immer auf Messers Schneide gelebt ist, heißt: immer ein wenig über dem Niveau der Menschen, aber nicht so weit, daß sie loslassen. Fördern heißt fordern, und der Anspruch führt zum Weitergehen und Weiterdenken. (In der Bibelstunde ist das leichter, da kann ich die Menschen besser zum Nachfragen anhalten.) Aber der Pontifex, und das ist jeder Christ in gewisser Weise, hat die Aufgabe, die Brücke zu schlagen zwischen dem Menschen, den er trifft, und dem Gott, der immer größer ist als alle unsere Stammeleien. Und gleichzeitig so klein wie ein schreiender Säugling.
      Ich kann in vielen Sprachen beten, aber wenn ich mit anderen zusammen bete, dann muß ich in einer Sprache beten, in der ich mit und für sie sprechen kann. Hierzulande ist das Französisch, auch wenn ich für mich allein vielleicht auf deutsch bete oder domine adiuva me singe. Und es ist die Sprache, die ich mit ihnen auch spreche, respektvolle Sprache (Welten von dem Stil der “Volxbibel” entfernt, “Gute Nachricht” ist doch schon spießig!), aber weder Molière- noch Victor-Hugo-Stil.

      • 29. Dezember 2012 um 12:57

        Schön! Zeitgemäß muss nicht den Verlust des Niveaus bedeuten und auch nicht den Verlust der Botschaft.

        Und das von Dir Gesagte gilt beileibe nicht nur für die christlichen Kirchen und ihre Vertreter sondern für alle Religionen. Es gibt immer einen historischen Kontext auf der einen und in gewisser Hinsicht “ewige” Dinge auf der anderen Seite. Dazwischen wird es auch immer ein Spannungsfeld geben. Spannung bedeutet aber auch eben spannend. Das zeitgemäß und vor allem für *alle* oder doch zumindest die meisten zugänglich zu vermitteln ist sicher keine einfache aber (wie ich mangels eigener Erfahrung nur vermuten kann, sicher auch “spannende”) Aufgabe.

        Zu erwarten, dass die, die “guten Willens sind” schon kommen und versuchen werden zu verstehen, und die anderen dort stehen zu lassen, wo sie eben stehen, weil sie sich offenbar nicht genug Mühe geben, greift zumindest heutzutage zu kurz.

        Und was die “Störungen” durch Kinder etc. betrifft:
        Taufe eines zweiten Kindes und Hochzeit in meiner näheren Verwandtschaft waren geprägt durch Gewusel mehrerer kleiner Kinder in der Kirche und gelegentlichen, kurzen Unterbrechungen, um den Eltern Gelegenheit zu geben ihre Kleinen wieder “einzufangen”. Niemand ist dabei zu kurz gekommen oder hat ernsthaften Verlust gelitten, noch hat es (in den Augen der meisten Beteiligten) die “Heiligkeit” der Feier beeinträchtigt, jedenfalls weniger als die aufgesetzt wirkenden Pausen, strafenden Blicke und ständigen Zischlaute und “psssts” zu anderen Gelgenheiten, *das* hat deutlich mehr gestört.

      • 29. Dezember 2012 um 17:21

        Wolfram, wir sind uns da einiger, als du vielleicht aufgrund meines ersten Beitrages denkst.

        Natürlich muß man immer fragen: Wie spriht man die Menschen an, so daß sie mich überhaupt verstehen können? Welche Brücken müssen gebaut, welche Sümpfe umgangen werden? Und ich habe ja nichts dagegen, daß man “Menschen abholt”, aber – wie ich schrieb und Du ja auch bestätigt hast – muß man dann diese Menschen auch führen (hinein in / zu hin …).

        Mißverständnissse ergeben sich wahrscheinlich aus unseren verschiedenen Bezugsrahmen: Im gängigen protestantische Predigtgottesdienst macht es natürlich überhaupt keinen Sinn, an den Leuten vorbeizureden. Die katholische Liturgie kennt das auch (man predigt und homiliert ja auch bei unsereiner), aber sie hat noch eine andere Verkündigungsdimension: als Feier selbst ist sie ja “auch” Verkündigung, aber eine, die mystagogisch erschlossen muß. Die Schönheit des Ritus beispielswegen (und Schönheit sehe ich durchaus als ein Transzendental) kann auch zu den Menschen sprechen – aber noch sprechender wird sie noch durch Ausdeutung. Was heißt das? Wir benötigen einen heutigen Erfordernissen entsprechenden Stufenweg der Einweihung, wie ihn die Alte Kirche noch kannte. Ohne einen gewissen Anspruch – der auch an den “Empfänger” gestellt werden muß – wird es nicht gehen – der Anspruch darf nur nicht so hermetisch sein, daß er gleich überfordert.

        Inhaltlich landet, denke ich, jeder von uns an der Stelle, wo wir die “alten” Begriffe (nehmen wir als Beispiel die Eucharistie / das Abendmahl > Sakrament) verständlich machen müßen, ohne sie sprachlicher oder inhaltlicher Leichtfertigkeit preiszugeben.

        • 29. Dezember 2012 um 22:23

          Der letzte Satz macht den ganzen Spagat deutlich…

          Ja, manches im christlichen Leben und Feiern ist eben nicht (nur) zu beschreiben, sondern kann nur begriffen werden, wenn man davon ergriffen wird: im Erleben. Wie die Liebe. Aber ohne Ausdeutung gehts eben auch nicht, das schreibt in gewisser Weise Paulus schon (er schreibt es zur Zungenrede).
          Das mysterium fidei, das ja nicht nur im Altarsakrament existiert, kann zwar nicht erklärt werden, aber auch da ist eine Heranführung nötig. Nicht unbedingt, indem Sonntag für Sonntag wieder erklärt wird, warum diesem liturgischen Stück jetzt jenes folgt – das ist nervig. Im Gegenteil ist hier die Katechese gefragt, und wo möglich auch die Eltern. Du merkst, andere Worte, ganz ähnliche Gedanken…
          Anekdotisch sei erzählt: vor einigen Jahren fragte mich ein junger Pfarrer, immerhin ordiniert und in fester Stelle: was bedeutet eigentlich das Christe du Lamm Gottes in der Abendmahlsliturgie?
          Ich war Organist im Nebenamt und hauptberuflich Theologiestudent, woher sollte ich da mehr wissen als er? Aber offenbar kam er da mit eigenem Denken nicht weiter. Muß man denn katholisch sein, um darauf zu kommen, daß sich diese Anbetung an den leiblich in Brot und Wein präsenten Christus richtet? (Lutherisch sein genügt, meine ich. ;)) Da drängt sich natürlich auch die Frage auf, wie ein Ritus Menschen ansprechen soll, die ihn nicht kennen, wenn ihn nicht mal die verstehen, die ihn vollziehen, wenn sie nicht von ihm erfüllt sind und ihren Platz darin ausfüllen…

  4. 8 eifeltussi
    29. Dezember 2012 um 16:08

    Hab’ ich Dich mit meinem Kommentar verärgert? Oder, warum ist er entschwunden? LG Elke

    • 29. Dezember 2012 um 17:24

      Nein, und: ich hab ihn nicht gesehen. Auch keine Mailbenachrichtigung erhalten. Manchmal sind die Wege von WordPress unergründlich.

      • 10 eifeltussi
        29. Dezember 2012 um 22:55

        Okay, dann versuch ich’s nochmal nachzuvollziehen: mein Kommentar war in etwa so “Du hast die Situation prima gemeistert, der kleine Rennfahrer hatte eine Ansage, dass er mit seinem Töfftöff einen Boxenstop einlegen sollte, und alle waren erst einmal zufrieden. Also, prinzipiell ist “locker bleiben” wohl das Mittel zur Wahl, dann klappts auch mit dem Nachbarn (in der Kirchenbank)”. LG Elke

  5. 1. Januar 2013 um 10:41

    Da wir beim Jahresschlussgottesdienst keine Kinderbetreuung hatten, war es recht lebhaft, weil immer mal Kinder dazwischen plapperten. Zum Abendmahl kamen sie einfach mit, auf dem Arm der Eltern oder an der Hand der Eltern. Wir haben im hinteren Bereich des Kirchenraumes Platz, wo kleine Kinder krabbeln können. Sollte mal eines schreiben oder auch sonst zu lebhaft sein, könne Eltern sich mit ihren Kindern im Kirchenhaus aufhalten. Dorthin wird die Predigt übertragen. Es kommen auch immer mal wieder Kinder aus der Kinderbetreuung während der Predigt in den Kirchenraum und gucken, ob ihre Eltern noch da sind. Es gibt vielerlei Möglichkeiten, damit Eltern und Kinder nicht ausgegrenzt sind. Die Kinder des Kindergottesdienstes und auch alle anderen Kinder sind zu Anfang des Gottesdienstes mit dabei. Nach dem Kinderlied nehmen sie eine Kerze vom Altar mit und gehen in ihren Kindergottesdienstraum oder in die Kinderbetreuung. Es gilt immer wieder neu zu überlegen, die wir Kinder und Jugendliche und eben ganze Familien integrieren können. Wir haben auch schon Eltern gehabt, die saßen im Gottesdienst, während ihre 6 recht lebhaften Jungen uns inzwischen die Bude auf den Kopf stellten (Toiletten verstopften, Sachen aus den Schränken rissen usw.). Es gilt viel Fantasie um sich der Situation immer wieder neu zu stellen.

    • 1. Januar 2013 um 10:54

      Ihr habt mit dem Kirchenhaus sehr viele Möglichkeiten. In St.Dié war wenigstens nur der Hof zu überqueren, um aus der Kirche in die Gemeinderäume zu kommen; hier in Courlay muß man aber 50 Meter die Straße lang auf einem Bürgersteig, der kaum breit genug ist für einen Kinderwagen, dann die Straße überqueren und noch 50 Meter bis zum Gemeindehaus… und die anderen Gottesdienststätten bieten gleich gar keine Nebenräume, Breuillet mal ausgenommen, wo aber momentan auf Weisung der Baupolizei keine Gottesdienste gehalten werden können.

  6. 1. Januar 2013 um 15:44

    Ich bin mir bewusst, dass wir durch den Bau unseres Kirchenhauses da wesentliche Vorteile haben. Früher hatten wir ja gar keine Räume, haben die Leichenhalle neben der Kirche zwischendurch für Jugendarbeit genutzt. wir haben auch immer wieder Gemeindegleider oder Gäste, die sich über die kleinen Kinder aufregen. Aber es werden weniger mit der Zeit.

    • 2. Januar 2013 um 07:12

      Über die Kinder regt sich zum Glück hier niemand auf. Aber die Sache mit den Hörgeräten ist schon ein Problem. So ein Schwungradauto kann ein Hörgerät derart mit Beschlag belegen, daß der Träger vom gesprochenen Wort nicht mehr mitbekommt als von der Bahnsteigansage, wenn grad der Zug an ihm vorbeirauscht. Die alten Hörgeräte meiner Großeltern hatten eine Stellung “T” für Telefon, die per Induktion und nicht per Mikrophon funktionierte, und in vielen Kirchen gab es ein oder zwei Bänke, die mit Sendeschleifen ausgerüstet waren. Aber mir scheint, diese Einstellung gibt es heute nicht mehr.

  7. 2. Januar 2013 um 09:45

    Ich finde es nicht schlimm, wenn ein Kind ruhig mit dem Teddy spricht oder mit dem Auto spielt – allerdings finde ich auch, dass Eltern darauf achten sollten, dass nicht grad in der Kirche rumgesprungen wird… es ist kein Spielplatz.

    Meine Kinder kommen jeden Monat mit in die Kirche – wir (http://www.savaux.ch/blog/?p=4954&lang=de) haben immer am 4. Sonntag eine Messe und seit sie 2 Wochen alt sind, kommen sie mit.

    Heute gehen die meisten nur noch zur Taufe, 1. Kommunion, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung in die Kirche. Manchmal habe ich das Gefühl, es gehe nur um die Show … die schönen Kleider oder was auch immer.

    Ich bete z.B. auch mit meinen Kinder (http://www.savaux.ch/blog/?p=4954&lang=de) und ich finde es wichtig, das Kinder wissen, weshalb wir Ostern oder Weihnachten feiern.

    Nun denn, ich finde es trotz allem schön, wenn Kinder in einem Gottesdienst dabei sind

    • 2. Januar 2013 um 16:35

      Manchmal stellt man sich Fragen über die Motivationen – aber ich mag das nicht sehr. Denn die eigenen Motivationen sind manchmal auch etwas – eigen.
      Du schreibst in deinem Blog, daß du froh bist, daß es keinen Kindergottesdienst bei euch gibt, weil die Kinder so hineinwachsen ins gottesdienstliche Feiern der Erwachsenen. Ich bin zwiegespalten, denn ich glaube, es tut Kindern auch gut, auf kindliche Weise von Gott zu hören. Aber es tut ihnen auch gut, an dem teilzunehmen, was Andreas als mysterium der Liturgie bezeichnet. Wo es möglich ist, halte ich für einen guten Weg, wenn die Kinder an der liturgischen Feier teilnehmen, aber statt der Kanzelpredigt in Kindergruppen gehen.
      Das Auto wurde hier als störend empfunden, weil es 1° einen Schwungradmotor hatte und 2° die alte Holzbank wie ein Verstärker wirkte. Das dröhnt in die Hörapparate. Ein siku- oder majorette-Auto ohne Motor auf dem Teppich oder einem Polster oder sogar auf dem Terrakottaboden wäre viiieeel leiser gewesen.

      • 3. Januar 2013 um 10:26

        Natürlich hat jeder seine eigene Motivation, seine eigenen Gründe. Aber ich finde es nicht sehr angebracht, die Institution Kirche nur dann zu nutzen, weil “man” halt in der Kirche tauft, heiratet oder beerdigt wird und sonst damit aber nichts zu tun haben will. Das grenzt für mich dann schon fast an Ausnutzung zum eigenen Vorteil, zum eigenen Genuss, zur eigenen Freude.Eigentlich sehr egoistisch.

        Natürlich habe ich manchmal auch keine Lust in die Messe zu gehen, aber wenn ich dann dort bin, fühle ich mich immer gut, sehe Leute die ich sonst selten treffe und im Nachhinein bin ich immer sehr froh, dabei gewesen zu sein. Die Gemeinschaft ist etwas schönes – für mich jedenfalls.

        Ja, dass eine Kanzelpredigt für Kinder nicht unbedingt interessant ist, respektive verständlich, ist normal. Aber man kann z.B. zwischendurch mal Familiengottesdienste machen / besuchen. Das ist dann mehr Kindbezogen. Und es kommt auch auf den Priester an. Mein Sohn langweilt sich manchmal auch, aber jetzt, da er mittlerweilen lesen gelernt hat, interessiert er sich für die Messliturgie und versucht, am richtigen Ort mit zu lesen. Hätte ich ihn nie mitgenommen oder hätte ich ihn immer nur in die Kindergruppe gegeben… ich glaube nicht, dass er dann so interessiert wäre… Was aber nicht heissen will, dass ich meine Kinder zwinge. Meine grosse Tochter (12) wollte z.B. von sich aus Ministrantin werden, ist aber gleichzeitig sehr kritisch und hinterfragt alles…

        Dann gibt’s ja auch noch den Religionsunterricht, welcher kindgerecht ist – oder es zumindest sein sollte. Persönlich hatte ich als Kind allerdings einen Pfarrer als Religionslehrer, der meines Erachtens alles andere tat, als Religionsunterricht. Es wurd nie, nicht ein einziges Mal die Bibel zitiert. Wir machten z.B. Wunsch-Stundenpläne – aber ich kann mich nicht erinnern, auch nur ein einziges mal das Wort Gottes gelesen oder darüber geredet zu haben (ich war damals 12).

        Ok, so ein Spielauto das Lärm macht wirkt natürlich störend und kommt dem Rumrennen der Kinder in etwa gleich !

        Jedenfalls – das ist meine Meinung – brauchen wir die christlichen Kirchen in der heutigen Zeit mehr denn je…. die Gründe will ich jetzt hier nicht öffentlich erörtern, ich sage nur: Allah ist gross…

        • 4. Januar 2013 um 09:56

          Ich sag mal so: eigentlich geht jeder hin, weil es ihm für den Tag was bringt. Manchmal auch unlustig, aber in dem Wissen, es ist gut für mich. Manche kommen Woche für Woche, um das Wort Gottes zu hören. Andere, um alte Bekannte wiederzusehen. Die Frage stellt sich da aber auch, wie aufnahmebereit eine bestehende Gruppe (hier: Gemeinde) ist, wenn jemand Unbekanntes dazustößt. Die Gratwanderung zwischen Indifferenz und Inbeschlagnahme ist nicht leicht.
          Familiengottesdienste sind übrigens auch eine Gratwanderung, denn sie sollen ja für alle Altersstufen sein und nicht ein umbenannter Kindergottesdienst.
          Ich bin ähnlich wie dein Sohn in die Liturgie hineingekommen, Schritt für Schritt. Und deine Tochter ist richtig: “Prüfet alles! Und das beste behaltet!”
          Religionsunterricht haben wir in Frankreich nicht – außer in den ehemaligen Reichslanden Elsaß-Lothringen – und müssen das darum komplett gemeindlich auffangen. Gewissermaßen wie die “Christenlehre” in der ehemaligen DDR.
          Provokativ gesagt, wir brauchen nicht Kirchen als Institutionen, sondern mutige Christen.

          • 4. Januar 2013 um 13:35

            Manchmal geh ich in die Kirche – irgendeine Kirche – ganz allein. In diesen Momenten brauche ich die Stille, die Geborgenheit, welche mir eine Kirche bietet (mir geht das jedenfalls so, was nicht heissen will, dass das alle so empfinden).

            Das ist ein Punkt, der mich immer wieder zum Nachdenken bringt: Christ sein heisst doch unter anderem auch Nächstenliebe zeigen. Wir z.B.hier in Lausanne sind eine sehr kleine und arme Gemeinde. Wieso aber unterstützen uns z.B. reiche Gemeinden wie Zürich nicht – da frag ich mich dann, wo die Nächstenlliebe ist…? Indifferenz oder Inbeschlagnahme… wo ist die Grenze? Gute Frage.

            Ich war letzhin in einem evangelischen Gottesdienst. Die Menschen dort waren sehr freundlich und ich fühlte mich wohl – ich werd sicher wieder hin gehen.

            Ich denke, das wir als oeukumenische Christen viel erreichen können. Mutige Christen – wie Du sagst – können sicher viel erreichen. Es ist nicht die Institution Kirche die wichtig ist, sondern die Menschen die die Institution zum Leben erwecken. Wie sagte John F. Kennedy ? : … fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.

            Mit anderen Worten: Fragt nicht, was die Kirche für Euch tun kann – fragt, was Ihr für die Kirche tun könnt…

            • 4. Januar 2013 um 17:41

              Meine neue Gemeinde hatte letztes Frühjahr (vor meiner Ankunft) Besuch aus Madagaskar. Und die Afrikaner haben Bauklötze gestaunt, wie reich doch die Kirchen hier sind: die haben Bethäuser aus Stein mit elektrisch Licht!
              Es war ihnen schwierig einzusehen, daß diese steinernen Häuser erstens notwendig sind, weil ein Holzschuppen wie in ihren Gemeinden hier gar nicht für öffentliche Versammlungen zugelassen würde, und zweitens eine Menge Geld kosten, das wir eigentlich auch nicht haben. Das letzte Jahr ist mit einem fünfstelligen Minus zuendegegangen…

              “Die Kirche” – ja, aber über die verfaßten Kirchen und Gemeinden hinweg. Wenn wir nicht heute missionarisch werden, sind wir morgen nicht mehr da. Um eine moribunde Gemeinde, die nicht nach außen zu strahlen vermag, ist es in gewisser Weise nicht schade, solange die christliche Botschaft weitergesagt wird. Aber es ist doch zu wünschen, daß alle christlichen Gemeinschaften missionarisch wären.

  8. 2. Januar 2013 um 09:56

    upps… der 2. Link (beten mt den Kindern) sollte eigentlich dieser hier sein : http://www.savaux.ch/blog/?p=4602&lang=de

    Tschuldigung….

  9. 2. Januar 2013 um 22:42

    Wenn ich jetzt die Kürzel für “einen Daumen hoch” wüßte würde ich sie tippen :-) Also Daumen hoch für diesen Beitrag! Danke!

  10. 3. Januar 2013 um 00:59

    Mir gefallen deine Gedanken zum Thema!
    Überhaupt danke ich dir dafür, dass du uns in deinem Blog an der Bandbreite deiner Gedanken und Gefühle teilhaben lässt.
    Und weils noch nicht zu spät ist: ich wünsche dir und den Menschen, die deinem Herzen nahe sind ein frohes und erkenntnisreiches 2013er Jahr.

    PS: das 400er ist fast ladenneu hier eingetroffen – Fotos werden folgen ;-)


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